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5. April 2017

Mein philosophisches Nachdenken über den Tod

Sich als Lebender den Tod vorzustellen, wird ihm nicht gerecht, denn es legt an ihn die falsche Bewertungsskala an. Er ist Nicht-Leben und damit nicht mit unseren vertrauten Konzepten zu durchdringen, nicht verstehbar. Das Todsein ist unbekanntes Sein, ein anderes Sein. Der Tod kann erst erfahren und begriffen werden, wenn er eingetreten ist.

Wir blicken lieber zurück auf das Vertraute, als in die Richtung des Unbekannten, das wir nicht begreifen und steuern können. Neugier auf den Zustand des Todes zu entwickeln würde das Leben und dessen Verlust relativieren.

Es ist der Fluch des ersten Atemzugs, bis zum letzten Atemzug das Beste aus der Ich-Epoche zu machen. Es ist quasi Schicksal, in Bewegung zu bleiben, via Geburt erfolgter Auftrag, Körper und Geist zu pflegen, solange sie existieren, die Zeit zu füllen, sich zu beschäftigen, bis sich alles wieder stoppt und auslöscht, bis der individuelle Zeitpunkt des Nicht-mehr-weiter-Altern-könnens eingetreten ist. Nicht Warten auf den Tod, kein Erwarten von Antwort, Belohnung, Wertschätzung, denn das geschieht nebenbei. In der seeligen Kindheit gibt es den Tod noch nicht. Nur leider lässt sich das erst hinterher erkennen und dessen Abwesenheit nicht mehr rückwärts genießen. Der Weg zum Tod muss beschritten werden.

16. Juli 2011

Tipp: Kratzen an der Oberfläche der Wirklichkeit

Es ist eine Neugier, die an Voyerismus angrenzt, aber keinen Genuss bedeutet: Wie sieht das Sterben aus? Die Gesunden bzw. Jungen können es nicht direkt erleben. Daher bleibt nur der Einblick über sekundäre Quellen, über Berichte von/über Betroffenen. Es ist jedem überlassen, sich diesem Thema des Abdankens vorzeitig zu widmen oder nicht. Für mich gehört das sich Bekanntmachen mit dem Ende zum Erwachsenwerden dazu.

Wer traut sich, die ernste Sterbe-Dokumentation "Letzte Saison - Wenn es Zeit ist zu sterben" anzuschauen?! Hier geht es um drei achtenswerte Menschen in unterschiedlichem Rentneralter, die auf ihre letzte große Reise gehen (müssen) und uns erlauben, sie dabei zu begleiten. Ihre Namen sind es wert, genannt zu werden: Gisela Zeller (65) mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, Franz Rilling (96) mit Magenerkrankung und Rubert Gässler (87) mit Lungenentzündung plus Verdacht auf Prostatakrebs.

Es gab Momente im Film, in denen ich beinahe wegschaute, so intim, bitter und erfolglos erschien der Kampf gegen Gebrechlichkeit und Siechtum. Hängen geblieben sind bei mir jedoch starke Äußerungen dieser Menschen wie das kämpferische "noch mal ein Fitzelchen gesund werden" (Frau Zeller nach Diagnose), das lustvolle "Badesruhe statt Todesruhe" (Herr Rilling in der Badewanne liegend) und das philosophische "Gescheite Leute gehen alle mit 85, auch Adenauer" (Herr Gössler im Interview).

Sei gewarnt: Es ist eine eindringliche Konfrontation mit der letzten Realität! Wer von sich sagt "Ich will alles wissen", sollte sich diese 90 min Zeit nehmen und am Fenster zur Wirklichkeit kratzen. Was du erblickst, das nützt Dir.

13. Mai 2011

Der Schuss

Gunter Sachs erschoss sich wegen des Eindrucks beginnenden Alzheimers, also aufgrund seiner unsicheren Selbstdiagnose. So, wie ich den Abschiedsbrief verstehe, lehnte er die Krankheit ab, er wollte sich ihr nicht beugen. Diese Krankheit mit ihren Konventionen durfte sein restliches Leben nicht bestimmen. Ich symphatisiere mit seiner Ansicht, vor der Auflösung des sozialen Selbstes lieber einen Schlussstrich zu ziehen. Wenn ich "Gott" wäre, würde ich Alzheimer als Sterbeform abschaffen, weil totaler Gedächtnisverlust bzw. umfassendes Vergessen des Erlebten nicht zum Leben passt. Ich würde die Menschen vorher (!) aus dem Diesseits abberufen und zwar urplötzlich, wie die Geburt (= Herausschlüpfen aus der Gebärmutter und Losschreien).