31. Mai 2011

Liebe, Teil 3 - mein Liebesbegriff

Liebe ist m.E. ein bio-psycho-sozialer Tatbestand und es gibt daher viele unterschiedliche Beschreibungen dieser Komplexität. Liebe gilt als ein Phänomen, das u. a. von den Sinnelementen sexuelles Begehren, Zuneigung, Intimität, Treue, Paarbeziehung und Familie eingezäunt ist. Angesichts der unübersichtlichen  Menge an Definitionen und der daraus resultierenden Konturlosigkeit in Psychologie, Soziologie und medialem Diskurs besteht die Notwendigkeit eines enger gefaßten, restriktiven Liebesbegriff, auf den ein weiterführendes Begriffsgebäude in Bezug auf die Facetten bzw. Kontexte der Liebe gestellt werden kann. Nur dann ließe sich die Inflation des Liebesbegriffs und die damit zusammenhängende Ziellosigkeit einer Liebesforschung stoppen bzw. vermeiden. Dem Begriff Liebe muß ein präziser Sinn zurückgegeben werden!

Ich möchte nach meiner Beschäftigung mit den bestehenden Liebestheorien hier eine Liebesdefinition zur Diskussion stellen, die ich bevorzuge und die natürlich angesichts der gesichteten Fachliteratur nicht gänzlich auf meinem eigenen Mist gewachsen sein kann.

26. Mai 2011

Liebe, Teil 2 - Soziologische Sichtweisen

Das Phänomen "Liebe" hat mich seit meines Studiums der Soziologie fasziniert. Es ist eben nicht nur ein Wort mit fünf Buchstaben. Ich wollte alles wissen und besitze mittlerweile eine anständige Bibliothek. Ich habe vieles gelesen, doch das meiste leider wieder vergessen. Bücher sind zum Glück zum Nachschlagen da. Besonders interessierte mich die "Soziologie der Liebe", auch wenn andere Zweige wie Biologie, Geschichtswissenschaft, Psychologie und Philosophie sich mit Liebe beschäftigen.

Meine Magisterarbeit zum kulturellen Wandel der romantischen Liebe hatte ich in "Liebe, Teil 1" schon erwähnt. Ich begann im Anschluss sogar eine Doktorarbeit, in der ich mich per Befragung auf die Suche nach einer "gegenromantischen Drift im populärsemantischen Liebes-Apparat für Intimbeziehungen" begeben wollte (siehe Konzept). Ohne Fachchinesisch ausgedrückt: Wie sieht das subjektive und vom sozialen Umfeld dennoch mitgeprägte Liebesleitbild von Liebenden, die sich von romantischem Gedankengut verabschiedet haben, im Einzelnen aus? Aus verschiedenen, v.a. finanziellen Gründen brach ich jedoch die Dissertation ab.

Unabhängig davon wagte ich vor einigen Jahren, am Wikipedia-Eintrag "Liebe"ein klein wenig mitzuarbeiten. Dort gibt es den Abschnitt "Soziologie". Überraschenderweise wurde folgende Zuarbeit nicht gelöscht, sie blieb kritiklos stehen:

23. Mai 2011

Hase und Igel auf Robotisch

In meinem Blogbeitrag "Rente ohne Rentner" bezeichnete ich neulich die Roboter als Helferlein und Rentenabsicherer. Eben stieß ich auf den Spiegel-Online-Videobericht "Kollege Roboter". In einer Berliner Bibliothek versehen zwei Roboter seit 2003 zuverlässig ihre Arbeit, indem sie Bücherkisten von A nach B transportieren. Um sie zu vermenschlichen, tragen sie die Namen "Hase" und "Igel" sowie passende kleine Plüschtiere als Namensschild. Die menschlichen Kollegen kämen gut zurecht mit ihren maschinellen Helfern und seien ihnen dankbar für die Abnahme körperlich schwerer Tätigkeit und unnötiger Wege im vierstöckigen Gebäude.

21. Mai 2011

Tabubruch

Es gibt Ungerechtigkeiten, die zum Himmel schreien.

Eine noch eher harmlose Variante aus der Literatur setzte Karl May in seinem Abenteuerroman "Winnetou I" in die Welt: Old Shatterhand befreit unerkannt die Apachenhäuptlinge Winnetou und dessen Vater aus den Händen der Kiowas. Als er später von den Apachen gefangen genommen wird, soll er am Marterpfahl sterben. Winnetou glaubt nicht der Beteuerung, sein Feind sei sein Freund. Der Leser fürchtet, dass hier jemand zu Unrecht hingerichtet wird. Das darf nicht sein. Auf die letzte Minute kann Old Shatterhand anhand einer Haarlocke beweisen, dass er einst der heimliche Retter gewesen war. Ohne dem wäre er unschuldig hingerichtet worden. Am schönsten finde ich den Moment, in dem der (fast tödliche) Irrtum auffliegt, denn dann erhält unser Bleichgesicht seine Rehabilitation. Mich durchströmten beim Lesen seltsame Gefühle: Der Verkannte steht als Held da und ihm gebührt große Dankbarkeit, der misstrauische Winnetou öffnet ihm sein Herz...

20. Mai 2011

Meine technische Zukunft

Vorsicht, jetzt folgt ein Beitrag über Unterhaltungselektronik. Igitt. Doch wer von uns ist mittlerweile nicht technikverliebt und - abhängig?!

Ich besitze neben Digitalkamera, HiFi-Geräten und eBook auch einen Quadcore-PC, einen Dualcore-Laptop und ein Singlecore-Smartphone. Ganz schön viel und spezialisierter Technikkram, der demnächst Schrott sein wird. Als wäre ich ein Millionär mit einem großen Fuhrpark, der für jede Gelegenheit das passende Vehicle hat:
  • Den PC nutze ich hauptsächlich für das Regieren rechenintensiver Schachprogramme und für das Kraxeln im Internet. 
  • Der Laptop sollte mir erlauben, im Freien an einem Beziehungsroman schreiben zu können, doch jetzt nutzt ihn zumeist meine Freundin und halte ich ihn als Ersatz für PC-Versagen vor. 
  • Das Smartphone wiederum dient mir vor allem als MP3-Player und Nachrichtenlieferant.
Es wäre natürlich toll, wenn ein einziges Gerät alles miteinander vereinen würde ...

    18. Mai 2011

    Rente ohne Rentner?

    Eben las ich bei  tagesschau.de von der Empfehlung der fünf Wirtschaftsweisen, die "vorgesehene Erhöhung der `Rente mit 67´ im Jahr 2029 umzusetzen". Sie sehen die "rückläufige(n) Bevölkerungszahlen" aufgrund des Geburtenrückgangs und die "steigende Lebenserwartung" (wir bleiben länger gesund) als Gründe für diesen Schritt. In 18 Jahren bin ich 56, also wird mich die sog. Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters erst recht betreffen.

    Ich übersehe nicht, warum die Altersgrenze angehoben werden soll: Je später wir uns auf das Altenteil legen dürfen, umso später muss der Staat mit der Auszahlung der Rente beginnen und umso kürzer währt dessen Rentenauszahlung. Das Geld reicht nicht wie bisher, also wird auf diese Weise bei den Rentnern gespart. Nur Steuererhöhungen oder anderweitige Einsparungen würden es zulassen, das Renteneintrittsalter zu stabilisieren oder gar zu senken. Obwohl ich im Mittel-Alter stecke, sorge ich mich um meine Lebenszeit. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt zwar permanent, aber trotzdem könnte es passieren, dass ich ein Jahr später schon (mit 68) sterbe und meine erwirtschaftete Rente dann ohne ihren Rentner "Frank" dasteht.

    16. Mai 2011

    In eigener Sache

    Ich grüße heute alle meine anonymen Leser, die sich zu meinem Blog verlaufen haben!

    Leider weiß ich nie, wie meine Gedankensplitter wirken. Meine Hoffnung, es würde Kommentare hageln, währte nur kurz. Gäste sind nämlich leider ausgesperrt. Du kannst nur einen Kommentar abgeben, wenn Du einen Account bzw. ein Profil bei Google, Twitter, Yahoo, LiveJournal, WordPress, TypePad, AIM oder OpenID besitzt. Das finde ich userunfreundlich. Es nötigt jeden zum Registrieren, der sich äußern will. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich meinen Blog woanders eröffnet. Die Meinung oder Kritik von Euch Lesern ist mir wichtig. Umständlicher und zuviel des Guten wäre zu diesem Zweck das Einrichten eines Forums...

    Wer mir etwas zu einem meiner Beiträge mitzuteilen hat, kann mir gern mailen oder mich in der Community facebook treffen. Ich würde dann darauf per Mail reagieren oder im Blog auf die Wortmeldungen eingehen.

    Gruß, Frank

    13. Mai 2011

    Der Schuss

    Gunter Sachs erschoss sich wegen des Eindrucks beginnenden Alzheimers, also aufgrund seiner unsicheren Selbstdiagnose. So, wie ich den Abschiedsbrief verstehe, lehnte er die Krankheit ab, er wollte sich ihr nicht beugen. Diese Krankheit mit ihren Konventionen durfte sein restliches Leben nicht bestimmen. Ich symphatisiere mit seiner Ansicht, vor der Auflösung des sozialen Selbstes lieber einen Schlussstrich zu ziehen. Wenn ich "Gott" wäre, würde ich Alzheimer als Sterbeform abschaffen, weil totaler Gedächtnisverlust bzw. umfassendes Vergessen des Erlebten nicht zum Leben passt. Ich würde die Menschen vorher (!) aus dem Diesseits abberufen und zwar urplötzlich, wie die Geburt (= Herausschlüpfen aus der Gebärmutter und Losschreien).

    11. Mai 2011

    Der Gruß

    In meiner ehemaligen Firma war es üblich, sich zu grüßen, sogar zu duzen. Klar, Kollegen sind füreinander potentiell relevante Personen und die meisten von ihnen kennt man schon. Also sollte man sich nett geben.
    "Hi".
    "Hallo".
    Das reicht. Zum Glück keinerlei zeitraubende Folgekommunikation, obwohl ein Gruß oft das Startsignal für weiterführende Gespräche ist. Hm, was soll dieser fast schon schematische Wechsel von Begrüßungsfloskeln?

    6. Mai 2011

    Liebe, Teil 1 - "liob"

    Mein Blog "Denksteine" trägt nicht ohne Grund den anspruchsvollen Untertitel "Liebe, Tod und ...". Mir schwebt eine lose Reihe an Beiträgen zum Thema Liebe vor. So möchte ich mal ein interessantes (Fach-)Buch vorstellen, mal aktuelle Forschungsergebnisse kommentieren und mal einzelne Theorien vorstellen. Dabei habe ich primär eine soziologische bzw. kulturwissenschaftliche "Brille" auf, denn mich interessiert speziell der gesellschaftliche Einfluss auf dieses Phänomen.

    In meiner Magisterarbeit von 1999, die den Titel "Romantische Liebessemantik im Wandel. Diskussion soziologischer Diagnosen zum Umbau des Liebesideals" trug, kam ich zu der Einschätzung, dass Liebe wie Sexualität und Gewalt ein "hochkomplexes, multidimensionales, bio-psycho-soziales Phänomen verkörpert" und daher nicht durch fachspezifische Einseitigkeit hinreichend und überzeugend durchdrungen werden kann. Dennoch bin ich der Ansicht, dass soziale Faktoren den größten Anteil an der Erklärungskraft besitzen, weil wir als Sozialwesen die Liebe erfinden und ausleben.

    Ich beginne heute mit der Frage, welche Bedeutung das Wörtchen "Liebe" ursprünglich hatte.

    3. Mai 2011

    Das Kreuz mit der Rufnummernmitnahme

    [6. Update vom 19.05. mit dem Abschluss der Tortur]
    Ich bin heute gleich nach dem Aufstehen mit etwas Profanem konfrontiert wurden und komme nicht umhin, davon als Betroffener zu erzählen.

    Das Wichtigste vorneweg: Ich bin seit dem 03.05. nicht auf meinem Handy erreichbar, mein Festnetz aber steht all meinen Freunden und Bekannten weiterhin offen.

    Das Ärgerliche hinterher: Ein nahtloser Wechsel des Handytarifanbieters wurde mir unmöglich gemacht. Manche Personen wie z.B. meine Hausärztin kennen nur meine Handyrufnummer. Eine solch erzwungene Sende- und Empfangspause kann schädlich sein.

    29. April 2011

    Loch im Wortschatz: die "Entkinderten"

    Manchmal fehlen uns Worte, weil sie nicht Teil unseres Wortschatzes sind. Sollte uns dies davon abhalten, fehlende Worte für bedeutsame Dinge auszudenken?! Nein, natürlich nicht, doch es ist ein langer und unwägbarer Prozess, bis eine privat gewählte Bezeichnung (Label) in den "semantischen Apparat" einer Gesellschaft einsickert und allgemein anerkannt wird.

    Ein Hungriger, der sich den Bauch vollgeschlagen hat, ist "satt" geworden. Wir kennen dieses Etikett. Ist ein Durstiger, der viel Wasser getrunken hat, auch "satt"?! Steht "satt" für beide Entspannungszustände zugleich?! "Ich habe mich satt getrunken" klingt ungewohnt, ich habe es noch keinen Mitmenschen sagen hören. Ich fand die Situation unbefriedigend und suchte nach passenden Worten: Jemand, der seinen Durst gelöscht hat, ist "getränkt" bzw. "gestillt". Klingt irgendwie logisch: Nach dem Trinken ist man getränkt (oder werden nur Pferde getränkt?) und still (wie Babys an der Brust). Ich wagte sogar mal die Wortkreation "sutt", wobei der Buchstabe "u" in "Durst" vorkommt und "sutt" dem "satt" ähnlich wäre.

    26. April 2011

    Missionierung unerwünscht

    Wieso versuchen Christen gern mit großem Eifer, jemanden wie mich von ihrem Glauben zu überzeugen? Das frage ich mich besonders, wenn ich z.B. "Zeugen Jehovas" regelmäßig meine Straße abschreiten sehe. Ich kenne keinen Gott, sondern weiß nur um die Natur und das Universum.

    Die Internetrecherche ergibt: Die Christen als Besserwisser machen Werbung für ihre Religion, weil es einen Missionsbefehl von Jesu an seine Anhänger gab. Wir sollen Gottes Gebote befolgen. Wenn es "Gott" gäbe, würde ich annehmen, bräuchte es dieser Zuarbeit nicht. ER würde direkt mit mir Kontakt aufnehmen und mir einen Mitgliedsantrag austeilen. Ich wüsste gern, wozu Gott eine Schar von an ihn Glaubenden benötigt, also was er davon hat. Die Verbreitung des christlichen Glaubens ist wohl eher eine Eigennützigkeit der Kirche, vermute ich, denn eine große Gefolgschaft bedeutet Machtausübung auf Erden.

    20. April 2011

    Libyens Bürgerkrieg - kein arabisches Problem?

    Mich erschrickt die veröffentlichte Zahl der Toten und Verletzten im lybischen Bürgerkrieg, nachzulesen bei SPIEGEL Online, natürlich auch. Glaubt man den Angaben der Aufständischen, dann sind seit dem Beginn der Kämpfe bisher 10.000 Menschen gestorben und bis zu 55.000 verwundet worden. Der Kriegspartner NATO wurde von den Rebellen aufgefordert, härter durchzugreifen, um Zivilisten zu schützen. Die Lage scheint klar zu sein: Gaddafis Truppen stehen kurz vor dem Sieg gegen die ostlibysche Oppositionsbewegung.

    Mich irritieren zwei Dinge:

    18. April 2011

    Macht des Körpers

    Es gibt traurige Schicksale, die sich potenzieren, wie im Beispiel der Sendung "Liebe außer Atem" (WDR-Podcast) aus der Reihe "hautnah". Hier heirateten zwei junge Erwachsene über 30, die beide (!) an Mucoviscidose leiden, einer erblichen Stoffwechselerkrankung, die irgendwann Lunge oder Bauchspeicheldrüse zur Aufgabe zwingt. Aline und Christian haben beide mit zähem Schleim in der Lunge zu kämpfen und wissen, dass sie keinesfalls das Rentenalter erreichen werden. Aline, eine starke, lebensfrohe, humorvolle Frau, ist in einem noch früheren Stadium der Krankheit und unterstützt ihren geschwächten, in Lebensgefahr befindlichen Mann Christian, der sich einer riskanten Lungentransplantation unterziehen lässt. Das Ende des Films sei hier verraten, weil es nicht um Spannung geht, sondern um das Inhalieren der biologischen Realität: Er starb einige Tage später an den Komplikationen.

    17. April 2011

    Schneeglöckchen

    Als ich dieses Jahr Schneeglöckchen in Masse erblickte, ging mir durch den Kopf: Was wollen sie mir mit ihrer Anwesenheit sagen? Ja, es war eine "Bande" von unscheinbaren weißen Blüten an einem Hang. Sie sind nunmal die Vorreiter aller Blumen eines neuen Jahres. Doch sie sind unter sich, irgendwie allein. Keine Bienen, die sie besuchen bzw. sich ihrer bedienen. Sie sind eher kurz lebendig, sind Ankündigung und Versprechen zugleich. Sie sind Schwerarbeiter, weil sie sich aus der harten Erde herausstoßen müssen. Wenn sie da sind, winken sie nicht, so bescheiden wirken sie, sie haben immer eher hängende Köpfe, ohne Spannkraft. Sie fallen kaum auf, falls noch Schnee liegt. Mir ist, als seien sie zu früh da, also Frühchen, die sich in der Jahreszeit verirrt haben. Eigentlich sind sie einmalig, weil sie die Allerersten sind und keine Konkurrenten besitzen. Dennoch weiß ich nicht, was sie wollen können in dieser Restkälte und Tristesse der schlafenden, ungeborenen Natur. Wisst ihr es?

    15. April 2011

    Staffelübergabe

    Ich sah neulich im Internet ein Foto mit glücklichen Eltern zwischen 35 und 40, die zwei Säuglinge (Zwillinge?) im Arm trugen. Sie lachten in die Kamera. Doch ich dachte nur: So sieht der Anfang vom Ende ihres Lebens aus, sie haben ihr Ziel erreicht und damit überschritten. Solange ich keine Kinder gezeugt habe (und ich bin noch kinderlos), bleibt noch etwas zu erledigen, zumal ich Spätzünder bin. Einerseits ist es doch schön, wenn eigene Kinder einem das Gefühl vermitteln, man sei wichtig und mächtig; ich darf mich bekannt machen mit dem Produkt der Mischung meiner Gene mit denen meiner Liebsten, mit dem Kind als Zeugnis einer Paarbindung. Vermutlich käme jetzt ein Aufschrei, da Kinderkriegen etwas Natürliches, Altruistisches, Nicht-Strategisches sein sollte. Andererseits habe ich mit der Geburt des ersten Kindes den Staffelstab der Generationen weitergereicht, habe ich mich quasi selbst abgelöst und hinfällig gemacht. Die Fortpflanzung hat ihren Preis. Mir wird bewusst, dass sich ein Teil von mir mit diesem Kind verselbständigt und etwas mich verlässt: die eigene, scheinbar ewige Kindheit und Unbekümmertheit.

    Klar, die Kinder können zuanfangs nicht allein überleben,sie brauchen Schutz und Anschub(-finanzierung). Aber ich sah diese beiden Elternteile und zugleich einen absteigenden Ast vor mir hängen. Es gibt kein Zurück, dafür jedoch Verantwortung. Ein gern vollzogener Pflichtdienst im Rahmen der Evolution, ein Betreuungsverhältnis zum Zwecke der Altersvorsorge und des Egoismus. Zu mir sagte mal eine Bekannte: "Ich will ein Kind, damit ich eine Generation weiter rücke und mich erwachsen fühle, von der Mutter ernster genommen und nicht mehr zur Kind-Generation gehörend". Egoismus gehört zur eigenen psychischen Gesundheit, keine Frage. Wir feiern etappenweise Abschiede von den sog. Statuspassagen, den Eckpunkten der Biographie und das Einnehmen der Elternrolle gehört mit dazu. Es ist ein Schritt in Richtung "Reife und Tod". Einige von uns begrüßen sicherlich die Position des Leben-Schenkers - und doch wird uns diese Portion Leben, die wir abgeben, am Ende, wenn nicht fehlen, so doch schmerzlich bewusst. Wir können die Kinder nicht überleben, sondern werden von ihnen am Sterbebett getröstet.

    Ich sah diese Eltern und fragte mich, wann es mit mir soweit ist.

    14. April 2011

    Fukushima als Erinnerungsbeben

    Die japanische Atomkatastrophe von Fukushima 2011, eine Fortsetzung von Hiroshima mit anderen Mitteln, hat mich an meine traumatischen kleinen Erfahrungen mit Tschernobyl erinnert:

    Ich saß damals im April 1986, als der Reaktor explodierte, in meinem Kinderzimmer. Ich war 13. Die pure Angst schlüpfte plötzlich aus meinem zufällig laufenden Kofferradio, erzeugt von dem Narr "Physik". Die Botschaft hieß, es sei ein verstrahlendes Unglück geschehen, aber keiner sei in der DDR gefährdet. Ich glaubte jedoch dem technisch erweiterten und illusionären Empfindungsvermögen des Menschen nicht. Es kam mir vor, als flimmere schon die Luft um mich herum, als würden mich Röntgengeschosse durchschießen. Für die Ewigkeit. Und ich erkannte meine nichtssagende Unschuld. Die Zukunft schien ausgelöscht. Ich wähnte einen dunklen Koloß über mir schwachem Elektron. Ich bekam intensive Bilder von meinen Schulfreunden vor Augen, die ich mochte und die vielleicht in diesem Moment nicht einmal etwas ahnten. Ich stand dem Weinen nah. Kein Abschied von meiner Familie war möglich. Niemand da zum Trost, nicht bei dem letzen Anblick dessen, was in Sekundenschnelle ins Ende rasen wollte, mich in ein schwarzes Loch katapultierte, ohne zu fragen. Ungekannte Panik. Todesangst in der Einsamkeit. Ich suchte Schutz an der Wand unterhalb des vertrauten Fensterbretts. Mir fiel einiges vom Notrettungslatein ein, von etwaiger Absorbierungs- und Schutzmöglichkeit via Mörtel und Stein, über das Fernsehen gelernt. Niederhocken und verstecken als hilflose Reaktion. Ich erwartete die dauerhaft heulenden Sirenen in meiner Straße, den gefürchteten Abgesang aufgrund des Kalten Krieges, den Super-GAU, der dem Tag harte Realität attestiert hätte. Aber das geschah nicht. Und so wartete ich auf meine Familie und hörte stundenlang Radio, bis die Entwarnung kam.

    Gäbe es keine Massenmedien, hätte ich damals wie heute nichts von diesen Verstrahlungs-Unglücken mitbekommen. Ich hätte aufgrund der großen Entfernung nichts gespürt. Durch die vernetzte Welt wurde ich jeweils in das Miterleben gezwängt.

    Willkommen in meinem Blog

    Ich hatte mal vor einigen Jahren ein Internetforum eröffnet, das den hochgestochenen Titel "Liebe, Semantik und intime Systeme" trug. Es sollte eine Plattform bieten für eine Diskussion über Liebe und deren wissenschaftlichen Kontexte. Soziologie ist dabei nur eines der vielen Fachgebiete, die sich mit diesem zwischenmenschlichen Phänomen beschäftigen.
    Leider entstand trotz einiger Beiträge kein echter und ernsthafter Austausch über das Thema "Liebe". Das Forum war eher schwach frequentiert und zumeist schrieb nur ich. Aus Enttäuschung schloss ich dann das Forum.
    Nun versuche ich es auf´s Neue, jedoch mit größerer Themenvielfalt, denn im Blog kommt es ja zuallererst auf meine Meinungsäußerung an, ohne Abhängigkeiten vom Engagement weiterer Autoren. Auf Kommentare freue ich mich natürlich riesig.
    Ich möchte einfach mein Wort erheben in dieser Welt: 
    Ohne Moralkeule, mit Augenzwinkern.